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Die Vision

Bild Robert Fischer Robert Fischer, Initiator des Männersymposiums

Seit Jahrzenten bin ich in der Männer- und in der Mann-Frau-Arbeit mit den Schwerpunkten Partnerschaft, Sexualität und Geschlechtsidentität tätig. In letzter Zeit beobachte ich vermehrt eine verbreitete Ratlosigkeit, Orientierungslosigkeit, oft Hilflosigkeit bei Männern im Zusammenhang mit ihrem Mann-Sein. Am meisten beunruhigt mich daran, dass viele Männer weniger Würde ausstrahlen und kaum noch eine ungebrochene lebensfreundliche Form des männlichen Stolzes haben.

Nun, ich kann das verstehen. Frauen initiierten in den 70er und 80er Jahren des letzten Jahrhunderts eine Bewegung, die bis dahin geltende Selbstverständlichkeiten für Männer und Frauen über den Haufen warfen. Vorher war klar, was die Rolle eines Mannes und was diejenige einer Frau war. Das neue Feindbild war das Patriarchat. In der Männerarbeit wurden verschiedene Wege eingeschlagen. So pflegten einige trotzig das bisherige Männerbild und verteidigten es gehen die stetige feministische Brandung. Andere wandten sich vermehrt ihren Gefühlen zu. Verschiedene Gruppen trafen sich beim Trommeln und wilden Tänzen im Wald. Diejenigen, die sich Feministen nannten, setzten sich für die Rechte der Frauen gegenüber den Männer ein. Seit die Frauen mehr äussere Macht erlangten, zeigten sich zunehmend Männer, die mit Frauen partnerschaftlich zusammenwirken wollen. Und in den letzten Jahren nahm die Zahl derer zu, die sich mit Väter-Fragen beschäftigen und die sich dafür einsetzen, dass Männer von ihren Arbeitgebern Möglichkeiten erhalten, mehr Präsenz bei ihren Kindern zu haben.

Männerarbeit erlebte ich zu Beginn als eine Randerscheinung, pionierhaft für die Einen, etwas für „solche mit einem Problem ” in der Sicht die Anderen. In den letzten Jahren ist es eine breite Mainstream Bewegung geworden mit Engagements in den verschiedensten Bereichen. Die Rollenbilder für Mann und Frau aus der Mitte des 20. Jahrhunderts sind verschwunden oder dermassen erschüttert, dass jetzt der Raum für etwas Neues frei ist. Dazu haben viele ihre Vorstellungen. Diese sind keinesfalls einheitlich. Ich glaube, um den Beitrag von uns Männern für jetzt und für die Gestaltung der Zukunft zu entwickeln, braucht es den Einbezug von möglichst vielen verschiedenen Strömungen von möglichst vielen Ländern. Die Welt ist ein globales Dorf mit erfrischenden lokalen und nationalen Eigenheiten.

Wir wollen eine europäische Plattform schaffen, auf der die kreative Auseinandersetzung und beflügelnde Inspiration stattfindet. Schon jetzt beginnt das mit dem Blog und den Kommentaren dazu auf der Webpage. Vom 23. Bis 26. Mai 2013 ist das internationale Symposium für Männer und die Zukunft in der Nähe von Frankfurt, zentral in Europa bei einem Hub gelegen, geplant. Die Hauptthemen: Sex, Echtheit und Macht. Das sind Schlüsselbegriffe fürs Mann-Sein. Wie tun wir im Sex? Wie leben wir die sexuelle Liebe? Sind wir echt und authentisch oder spielen wir eine Rolle und machen es Erwartungen anderer recht? Wie handhaben wir unsere Macht in einer lebensfreundlichen Art? Wie beziehen wir uns auf andere Männern? Wie gestalten wir das Verhältnis und Partnerschaften mit Frauen? Welche Position nehmen wir den Kindern gegenüber ein, den Söhnen und Töchtern? Wie handhaben wir in lebensfreundlicher Art unsere Macht und setzen sie verantwortungsvoll ein? Die Plattform ist vorläufig zweisprachig, englisch und deutsch und soll unsere Haltung signalisieren, dass verschiedensprachige Teilnehmer willkommen sind. Es zeigt auch, dass wir noch nicht die Ressourcen haben, um mehr Sprachen handhaben zu können.

Robert Fischer, 2013